Dass es im Süden mit allem ein bisschen länger dauert, ist eine böswillige Binsenweisheit. In einem Fall allerdings ist sie wahr: bei den Sommerferien. Während die Kinder in einigen Bundesländer Deutschlands bereits Ende Juni ihre Schulsachen in die Ecke pfeffern können, glühen im Süden noch bis Anfang August die Köpfe. Entsprechend fällt auch der erste Schultag auf einen Zeitraum von Anfang August bis Mitte September. 2016 erstreckt sich der Zeitraum zum Beispiel auf 6. August (Bremen, Niedersachsen, Sachsen) bis 13. September (Bayern, Baden-Württemberg). Eltern, deren Kinder dem Kindergartenalter entwachsen sind, steht nicht nur eine ereignisreiche Zeit bevor. Sie müssen für den kleinen ABC-Schützen auch einen Arbeitsplatz einrichten. Damit dieses Unterfangen auch dauerhaft Sinn hat, gilt es, auf ein paar Dinge zu achten.

Aller Anfang ist schwer

Egal, wie lang es her ist: An den ersten Schultag erinnern sich die meisten noch gern. Das aufregende Gefühl, den Schulranzen auf den Rücken statt einer Kindergartentasche über die Schulter zu bekommen; randvoll mit blitzblanken, schön eingebundenen Heften und einem Federmäppchen mit nagelneuen Stiften. Die Spannung, wer von den Kindergartenfreunden wohl mit in der Klasse sein wird und, viel wichtiger, wer der erste Banknachbar wird. In diesen paar aufregenden Stunden entstehen oft Freundschaften, die ein Leben lang halten. Das gute Gefühl, plötzlich dazuzugehören zur Riege der „Großen“ ist übermächtig – auch wenn man zunächst ganz klein anfangen muss.

Keine Frage: Für ein Kind stellt die Einschulung eine bedeutende Zäsur dar. Der erste Schritt in Richtung Arbeitsleben ist gegangen und zieht entsprechende Veränderungen nach sich. Wo im Kindergarten noch den Neigungen und der Phantasie verhältnismäßig freie Entfaltung eingeräumt wird, tickt die Schule nach einem strikten Stundenplan. Außer Struktur kommen Verpflichtungen zum Alltag, die über die üblichen sechs Stunden von Früh bis Mittag hinausgehen: Hausaufgaben zum Beispiel. In dieser Zeit des selbstständigen Lernens sind die Kinder erstmals auf sich allein gestellt und müssen sich selbst organisieren.

Die andere große Veränderung ist körperlicher Natur: Plötzlich finden entscheidende Teile des Tages im Sitzen statt. Am Vormittag wird die Schulbank gedrückt, der Nachmittag beginnt mit ein paar Stunden Hausaufgaben am heimischen Arbeitsplatz. Entsprechend wichtig ist ein ruhiger Platz zum Arbeiten. Während in vielen Familien der Küchen- oder Esstisch zur Arbeitsfläche wird, raten Experten zu einem Arbeitsplatz im Kinderzimmer, an den die Kleinen sich zurückziehen und in Ruhe konzentriert arbeiten können. So schön es auch ist, wenn die Eltern ihr Kind untertags in Reichweite haben: Der Faktor „Ablenkung“ ist nicht zu unterschätzen, wenn die Geschwister um den Tisch turnen, sich die Eltern sich ums Kochen kümmern und währenddessen eine Mechanikerrechnung oder den nächsten Einkauf diskutieren.

Mit der Einschulung bekommt das Kind einen Job: Lernen

Oft wird die Notwendigkeit eines Kinder-Arbeitsplatzes unterschätzt. Nach Meinung von Experten ist er sogar noch wichtiger als das Arbeitszimmer für die Eltern. Die Begründung ist einfach: Vater und Mutter haben beruflich bereits etwas erreicht, das Kind hat diesen Weg noch vor sich. Folgt man der Logik, dass das Berufsleben mit der Schule anfängt, hat demnach auch ein Schüler einen Job, dem er in aller Ernsthaftigkeit nachgehen muss. Seine Aufgabe: Wissen aneignen und vertiefen. Seine Bezahlung: Zensuren und Beurteilungen. Und während die Eltern – es sei denn, sie sind selbstständig – ihre Arbeit im Betrieb lassen und Daheim von dienstlichen Dingen weitestgehend unbehelligt bleiben, nimmt ein Schüler nicht wenig Arbeit mit nach Hause.

Ein Lernplatz ist nicht nur unter dem Leistungs-Aspekt spielentscheidend, sondern auch in körperlicher Hinsicht relevant: Entgegen ihrem natürlichen Bewegungsdrang müssen Kinder nämlich einen Großteil ihres Tages im Sitzen verbringen, was für viele besonders am Anfang der Schulkarriere gesundheitlich zum Problem werden kann. Zu viel Zeit in einer ungewohnten Sitzhaltung überfordert auch Kinder und ist kein Exklusiv-Problem von älteren Herrschaften. Entsprechend wichtig ist, beim Einrichten eines Arbeitsplatzes auf die Grundsätze der Ergonomie zu achten.

Für seinen Job braucht das Kind einen Arbeitsplatz

  1. Der Raum
    Nähern wir uns der Thematik aus sicherer Entfernung und konzentrieren uns zum Schluss auf die Details. Die erste Frage, die die Eltern für sich beantworten müssen, ist sicherlich die Standortfrage: Wohin mit dem ersten Kinderschreibtisch des Sprösslings? Idealerweise würde sich eine helle Ecke im Kinderzimmer anbieten, die sich wenigstens optisch von den vielen Verlockungen zwischen Lego-Kiste und Carrera-Bahn abgrenzt. Ideal wäre ein Fenster, durch das viel natürliches Licht kommt. Da vorläufig noch kein Computerdisplay auf dem Tisch steht, das einfallendes Licht reflektieren könnte oder das tapfer gegen Tageslicht anflackern müsste, kann der Tisch ruhig direkt unter einem Fenster stehen.
  2. Der Tisch
    Was den Tisch angeht, bietet der Markt eine Menge Möglichkeiten. Folgende Standards haben sich durchgesetzt: Idealerweise „wächst“ der Tisch in möglichst kleinen Stufen mit, das heißt, er verfügt über höhenverstellbare Beine und eine Tischplatte, deren Neigung sich einstellen lässt. Ist ein Tisch nämlich zu groß, muss das Kind permanent den Rücken überstrecken und die Schultern hochziehen. Ist das Möbel zu klein, muss sich das Kind davor zusammenkauern. Vor allem in den Wachstumsphasen sollten Eltern alle paar Monate überprüfen, ob das Kind dem Möbel schon entwachsen ist. Die Tischplatten-Neigung hingegen sollte von den Kindern selbst auf möglichst ungefährliche Art und Weise (Quetschungsgefahr) einzustellen und dem Bedarf anzupassen sein.
    Da Ordnung, also eine optisch ruhige Arbeitsumgebung, die Konzentration fördert, schaden ein paar Schubladen oder Schranktüren nicht, hinter deren Fronten Tintenpatronen, Radiergummis, Buntstifte und nicht zuletzt die Schulbücher verschwinden können. Was die Ausführung ausgeht, gibt der Markt einiges her: Rosa oder weiße Varianten für die Mädchen, bunte, blaue oder naturfarbene für die Buben; sogar Schultischen nachempfundene Heimarbeitsplätze gibt es.
  3. Die Materialien und das Umfeld
    Achten sollten Eltern auch auf die verwendeten Materialien. Oft reicht es, im Möbelhaus der Nase nach zu gehen: Lackierte Holzmöbel oder Spanplatten riechen und lassen ihre teilweise nicht ganz ungefährlichen Inhaltsstoffe auch daheim nach und nach ins Zimmer entweichen. Abgesehen davon muss ein guter Arbeitsplatz gut belüftet und beleuchtet sein. Stoßlüften im Winter und permanente Frischluft im Sommer sind ebenso wichtig wie eine Schreibtischlampe, die gegenüber der Seite steht, mit der das Kind seinen Füller hält und die Tischplatte gleichmäßig ausleuchtet.

Noch wichtiger als ein eigener Kinderschreibtisch: klare Regeln während der Lernzeit

Natürlich gibt es jede Menge Wohnungen, in denen es schwierig ist, einen Schreibtisch unterzubekommen. Ein kleiner Ecktisch oder zur Not eine hochklappbare Tischplatte erfüllt seinen Zweck natürlich genauso gut – nur sollten dann die Lernmaterialien in mobilen Containern gelagert werden, um schnell erreichbar zu sein. Abgesehen von Platzproblemen gibt es viele Schüler, die sich schwer tun, in völliger Stille oder allein im Zimmer zu lernen. Gesellschaft schadet in einem solchen Fall natürlich nicht, sollte aber strengen Regeln unterliegen. Zum Beispiel, dass auf den Lernenden Rücksicht genommen wird und Störungen seitens der Geschwister oder der Eltern zu unterbleiben haben.

Kleinere Geschwister haben in der Hausaufgaben-Phase zum Beispiel Zeit, zu malen oder ein Bilderbuch anzuschauen und die Größeren können ebenso ihren Hausaufgaben nachgehen. Haben die Eltern ein Arbeitszimmer, könnte auch dort ein kleiner Arbeitsplatz eingerichtet werden, um das Thema „Arbeit“ und „Schule“ hinter verschlossenen Türen halten zu können.

Ob nun am eigenen Schreibtisch, am kleinen Ecktisch oder am Esstisch – zum Lernen sollte das Kind unbedingt auf einem Bürostuhl sitzen, der ergonomisch einzustellen ist. Gerade vor dem Hintergrund stetig steigender Zahlen von Kindern mit erheblichen Rückenproblemen ist dieser Hinweis wichtig. Die richtige Einstellung beginnt übrigens mit dem Stuhl selbst: Das Kind stellt die Füße fest auf den Boden, die Höhe der Sitzfläche wandert auf Höhe der Knie, so dass in etwa ein rechter Winkel entsteht. Durch das rechtwinklige Abwinkeln der Arme wird dann die Tischhöhe ermittelt: Die Tischplatte sollte sich knapp unterhalb der Finger befinden.

Kinderschreibtischstühle gibt es bereits für Schüler ab 6 Jahren. Ihnen gemein ist eine abwaschbare, pflegeleichte Oberfläche, eine stufenlose Höhenverstellung, eine kindgerecht geformte Rückenlehne und ein Drehkreuz mit Rollen. Wer es etwas exklusiver mag, findet kleine Bürostühle, deren Sitzfläche in der Neigung verstellbar ist, deren Lehne spezielle Stützpolster für den Lendenwirbelbereich aufweisen oder pendelnd gelagert sind. Wer den Rücken seines Kindes beim Lernen trainieren möchte, kann es auch mit einem Rollhocker versuchen: Diese speziellen, mit einer flexiblen Sitzfläche ausgestatteten Kinderstühle ermöglichen dynamisches Sitzen und sorgen so für eine gleichmäßig ausgebildete Rückenmuskulatur. Angesichts der Vielfalt in Form und Farbe lohnt sich ein Besuch beim Fachhandel, ordentliche Beratung und bei Online-Versandhäusern eine ausreichend lange Rücknahmefrist, um den Stuhl ausgiebig testen zu können.
Wenn es um Kinderschreibtischstühle geht, lautet die Devise nämlich – ganz im Gegensatz zur Schule: Probieren geht über studieren.