Richtig umgesetzt, kann Home Office ein Fortschritt sein.

Von den einen skeptisch als Einladung zum Dolce Vita während der Arbeitszeit beäugt, von den anderen als Lebensqualität versprechende Revolution des Berufslebens gefeiert. So oder so: Home Office hat die Arbeitsrealität verändert. Möglich gemacht hat das professionelle Arbeiten in den eigenen vier Wänden die moderne Kommunikationstechnik. Smartphones, Tablets, die allumgebende Cloud und schnelle Internetverbindungen haben die physische Anwesenheit am Arbeitsplatz wenigstens teilweise unnötig gemacht. Doch was tun, wenn das Thema Home Office – oder altmodisch ausgedrückt „Telearbeit“ – auf den Tisch kommt?

Grundsätzliche Überlegungen

Pro und Contra: Tücken und Chancen eines heimischen Arbeitsalltags

Abwägen!, lautet der erste und wichtigste Hinweis auf dieser Suche nach der Lösung für die individuelle Arbeitssituation. Denn nicht für alle Typen ist die Arbeit von Zuhause aus auch die beste Lösung. Wer sich dafür entscheidet, sollte vor allen Dingen über ein gerüttelt Maß an Selbstdisziplin verfügen: Hausarbeit, der liebe Nachwuchs, Spontanbesuche von Freunden sind nur ein paar der vielen großen und kleinen Ablenkungen, die an Ecken und Enden lauern.

Es bedarf schon ein sehr gesundes Pflichtgefühl, beispielsweise lieben Freunden zu sagen, dass ihr Besuch in die Regelarbeitszeit fällt, wenn sie mit Kuchen im Korb vor der Tür stehen und den frischgebackenen Heimarbeiter in bester Absicht überraschen wollen. Situationen, die in einem Geschäftsgebäude als völlig abwegig erscheinen, müssen in Räumen, die normalerweise dem Privatgebrauch vorbehalten sind, plötzlich verteidigt werden. Auch, wer meint, Kindererziehung und Arbeitsalltag lässt sich ohne weiteres unter einen Hut bringen, wird oft eines besseren belehrt. Die Arbeit von Zuhause aus kann aber auch eine Menge Vorteile bringen.

Diese liegen eigentlich auf der Hand: Kein lästiges Pendeln mehr, keine zeit- und nervenaufreibenden Feierabendstaus, keine Zugverspätungen, vollgestopfte U-Bahnen oder eingefrorenen Autoschlösser im Winter mehr. Zumindest keine, die schon vor Arbeitsbeginn für einen erhöhten Stresshaushalt sorgen und auch denjenigen, denen der Morgen nicht liebste Tageszeit ist, schon von Haus aus den Tag versauen.

Stichwort Biorhythmus: Die innere Uhr des Menschen tickt nachweislich unterschiedlich. Während sich die „Nachteule“ leichter mit abendlicher Arbeit tut, fällt der „Early Bird“ zu dieser Zeit in ein Leistungstief – dafür startet er viel effizienter in den Arbeitstag. Auch die zeitfressenden Aspekte im Büro, all die unnötigen Rituale und Höflichkeitsgespräche auf dem Gang, entfallen. Kurz: Wenn gearbeitet werden soll, wird gearbeitet. Aufgehalste Last-Minute-Arbeit vom chaotischen Kollegen von nebenan ist zuhause ebenso undenkbar wie jedwede Art von Dresscode. Ob in Socken oder Jogginghose: Der Laptop am Fenster verlangt nicht nach einer Krawatte. Die Pausen müssen auch nicht im kalten Betonhof bei einer dünnen Tasse Automatenplörre verbracht werden, sondern können zum Gärtnern, Kochen, Joggen oder Rennradfahren genutzt werden – auch Zahnarzttermine, halbjährliche Reifenwechsel oder Friseurbesuche passen in eine Mittagspause und rauben weder Urlaubstage noch Überstundenguthaben. Und der größte Vorteil zum Schluss: Home Office ist in jedem Haushalt denkbar.

Konkrete Überlegungen

Womit sich die Frage nach der praktischen Umsetzung stellt. Es versteht sich von selbst, dass sich nicht alle Arbeitsbereiche ins traute Heim verlagern lassen. So wie der Chirurg immer am Patienten operieren muss, wird der Sozialarbeiter weiterhin an Schulen oder in Jugendtreffs tätig bleiben müssen. Wenn der Arzt allerdings Rechnungen schreibt, Medikament-Bestellungen aufgibt oder Befunde schreibt, kann er dies theoretisch auch von zu Hause aus tun. Ebenso der Streetworker, der seine Berichte daheim verfassen kann. Bei kreativen Berufen – Kommunikationsdesign, Architektur, Autoren oder Fotografen – oder technischen (Systembetreuung, Programmierung) lässt sich bis auf Details oder Meetings, die nicht in eine Videokonferenz passen, beinahe alles von daheim aus bewältigen. In allen Fällen ist jedoch eine Internetverbindung die technische Arbeitsgrundlage, je schneller – desto besser.

Home Office – die praktische Umsetzung

Internetverbindung, Technik und eine kleine IT-Kunde

Diese Grundlage beinahe jeder heimischen Büroarbeit hat heutzutage eigentlich jeder daheim: einen Router, der das Haus mit Internetzugang versorgt. Das Gerät selbst kommt meist vom Telekommunikations-Anbieter und verfügt über Schnittstellen für Netzwerkkabel sowie Antennen für drahtlose Heimnetzwerke, auch Wifi genannt. Auf der einen Seite des Routers befindet sich nun das Home-Netzwerk, das entweder direkt oder via Switch mit einem oder mehreren Computern verbunden ist. Auf der anderen Seite sorgt eine Breitband-Internetverbindung (DSL, VDSL) für schnellen Daten-Download und Upload und der Kommunikation mit dem Großrechner im Betrieb, er seinerseits mit dem Internet verbunden ist. Was müssen die Geräte im Home Office nun mindestens können?

Roland Karl ist Inhaber der Münchner TraininX Computer-Service GmbH und berät täglich Firmen wie Privatpersonen zu allen möglichen Themen rund um die IT. Auch das Thema „Home Office“ kommt bei ihm regelmäßig auf den Tisch. In seinem Laden in Obersendling nimmt er sich Zeit, um Grundlegendes zu klären. „Die benötigte Ausstattung richte sich ganz nach der Art und Weise der Arbeit, die erledigt werden muss“, sagt er gleich zu Beginn. „Dazu muss ich mich erst einmal fragen, mit welcher Art von Daten ich zu tun habe“, so Karl. Handle es sich dabei um Word- oder Excel-Dateien, müssten diese Programme natürlich auf dem heimischen PC oder Laptop laufen. Um Dokumente oder Daten übers Internet auf einen Server zu speichern, von dem aus die Kollegen im Betrieb zugreifen können, reiche im Prinzip jeder gewöhnliche Rechner aus. Er deutet auf die verschiedenen Computer und Laptops im Ausstellungsraum: „Wirklich alles, was hier steht, reicht dafür vollkommen aus.“

Oft arbeiten Firmen auch mit einer Datenbank, die auf dem Firmenserver liegt. Der Freelancer oder Home-Office-Arbeiter greift von zu Hause aus auf den Server zu. „Er öffnet dann lediglich eine Bearbeitungsmaske und ändert damit auf dem Server einzelne Daten.“ Die Maße jener Maske, die meistens mit dem Browser dargestellt wird, sei allerdings durch den Server vorgegeben und in diesem Fall die ausschlaggebende Größe. „Es ist wichtig, dass der heimische Monitor die benötigte Auflösung liefert und die Maske vollständig darstellen kann.“ Rechenleistung brauche man für derartige Datenbankarbeiten kaum – das ist Sache des Serverbetreibers, da die eigentliche Rechenarbeit auf dem Server stattfindet. „Streng genommen reicht daheim ein passender Monitor, Maus und Tastatur und ein Minirechner“, so Karl und deutet auf eine Kunststoffbox – kaum größer als eine Zigarettenschachtel. Darin schlummert genug Power, um ein Homeoffice zu betreiben.

Schon deutlich leistungsstärkeres Equipment brauchen beispielsweise Architekten, die mit einem CAD-Programm arbeiten. „Solche Programme verlangen meist nach viel Rechenleistung“, so Karl. Der Server des Architekturbüros hingegen müsse lediglich genug Kapazität haben, um die bearbeiteten Dateien speichern können.

Innenarchitektur: Die richtige Raumwahl

Zwischen Zigarettenschachtel-Rechner, Monitor und Maus im Minimalfall und Drei-Rechner-Verbund inklusive Netzwerklaufwerk und -Drucker ergeben sich mehrere Möglichkeiten des Platzbedarfs. Glücklich, wer in seinen eigenen vier Wänden über ein übriges Zimmer verfügt, das er zum Arbeitszimmer ausbauen kann. Experten sind sich einig, dass bei der Wahl des Arbeitsplatzes viel richtig und vieles falsch gemacht werden kann. Zum Beispiel sollte es sich beim Arbeitszimmer weder um eine fensterlose Kammer zum Hinterhof hin handeln, noch um ein vielbesuchtes Durchgangszimmer, das die ganze Familie für irgendeine Aktivität nutzt. Im Idealfall sollte das hausinterne Büro lichtdurchflutet und gut zu lüften sein, nicht zu groß und nicht zu klein – und darf durchaus über gemütlichere Vibrations verfügen, als das Durchschnittsbüro im Firmenkomplex.

Nun ist nicht jeder in der Lage, ein eigenes Zimmer für Arbeitszwecke abzuzwicken. Mieter von Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen können ihr Büro eventuell auch in bestehende Räume integrieren. Doch Vorsicht! Ein dunkles Eckchen mit Regalen links und rechts, Kabelverhau auf der Arbeitsfläche und wackeligem Holzschemel davor ist der Arbeitslust genauso unzuträglich wie ein Auf- und Abbau-Arbeitsplatz in der Küche. Der Arbeitstisch sollte jederzeit zugänglich sein – auch ohne vorher den Abwasch zu erledigen oder die Nähmaschine in die Kammer tragen zu müssen. „Wenn schon, denn schon“, lautet die Devise bei integrierten Arbeitslösungen. Zum Glück gibt es mittlerweile jede Menge innovative Möbel, die genau zu diesem Zweck entworfen wurden. Sie helfen dabei, zum Beispiel das ungenutzte Stück Wand unter dem Dachfenster in einen angenehm beleuchteten Arbeitsplatz zu machen: Moderne Sekretäre, die man nach Feierabend schlicht und ergreifend zuklappt, die über integrierte Kabelkanäle und LED-Tageslichtbeleuchtungen verfügen. Natürlich lässt sich mit ein bisschen Fantasie und ein paar Flaschen Möbelpolitur auch Omas alter Küchentisch zum stilvollen Arbeitsgerät umbauen.

Je weniger der Platz, desto kreativer muss die Arbeitslösung für Zuhause ausgetüftelt werden. Wer sich schwer tut, eine passende Arbeitsfläche in die eigene Wohnung zu integrieren, sollte mit einem Innenarchitekten Kontakt aufnehmen – oder mit erfahrenen Bekannten, die schon die eine oder andere Wohnung eingerichtet haben. Oft ist es nur ein kleiner Kniff an einer ganz anderen Stelle im Raum, der so viel Platz schafft, dass sich ein veritables Homeoffice unterbringen lässt. Ein Kardinalsfehler lauert allerdings gleich zu Beginn des Wegs: Wenn der Schreibtisch ins Schlafzimmer eingebaut werden soll, dann unbedingt optisch abgetrennt vom Schlafbereich. Wer möchte beim Einschlafen schon die Arbeit vom nächsten Tag sehen – oder sogar durch eine zum Blätterteppich gewordene Zettelwirtschaft darum herum waten?

Möbelauswahl

Von modernen Sekretären, die nach Feierabend wie ein Designer-Regal an der Wand ruhen, bis zum klassischen Schreibtisch mit höhenverstellbarer Arbeitsplatte: Die Möbelindustrie hält für beinahe alle Bedürfnisse die passenden Stücke parat. Während als Tisch so ziemlich alles dienen kann, was eine Platte trägt und genügend Platz für einen Laptop obendrauf, eventuell einen Drucker nebendran und jede Menge Kabel untendrunter hat, ist beim Stuhl schon um des lieben Rückens Willen genau hinzuschauen, auf was man seinen Allerwertesten an die acht bis neun Stunden täglich platzieren möchte.

Auch hier bieten die Fachhändler vom höhenverstellbaren Chefsessel bis zum einfachen Schreibtischstuhl mit anpassbarer Lehne so ziemlich alles – sogar Bürostühle, deren Äußeres und Funktion an den Rennsport angelehnt ist, finden sich im breiten Sortiment. Zu beachten ist eigentlich nur, dass der Stuhl bequem ist und sich wenigstens ein bisschen den Bedürfnissen des Arbeitenden anpassen kann. Eine Sitzfläche, die sich neigt oder eine Rückenlehne, die sich der Wirbelsäule anpasst, schaden nicht.

Das klingt alles wahnsinnig technisch und sah früher auch so aus. Mittlerweile aber hat sich auch bei den Büromöbellieferanten herumgesprochen, dass viele Mitarbeiter einzelne oder mehrere Tage von Zuhause aus arbeiten und haben Möbel designt, denen man ihr Einsatzgebiet nur noch bedingt ansieht. Zwar sind sie meist eher modern als konservativ im Design, fügen sich aber gut in moderne Wohnungen ein.

Beleuchtung

Ein Punkt, der laut gängiger Expertenmeinung am meisten unterschätzt wird, ist die Beleuchtung (siehe dazu auch den Beitrag Beleuchtung im Büro: Helle Birnen für helle Köpfe). Einfach nur eine alte Schreibtischlaterne als eventuell dekorative, mitnichten aber fachgerechte Lichtquelle auf den Arbeitstisch zu stellen, ist beileibe nicht genug. Auf zwei Dinge sollten Privatbüro-Einrichter achten – egal, ob sie nun den Dachboden zum Großraumbüro mit mondäner Lounge-Landschaft und mehreren Arbeitsplätzen oder das Schlafzimmer um ein abgetrenntes Arbeitseck anreichern. Erstens sollte genügend natürliches Tageslicht auf die Arbeitsfläche fallen und zweitens je nach Tageszeit und Lichteinfall genügend künstliche Lichtquellen zum Zuschalten vorhanden sein.

Genauer gesagt, sollte die Arbeitsfläche im Neunzig-Grad-Winkel zu einem Fenster stehen, so dass untertags das Licht von rechts oder von links auf die Tischplatte fällt. Künstliches Licht sollte aus verschiedenen Lichtquellen von der Decke fallen und sich möglichst gleichmäßig im Raum verteilen. Um ein gleichmäßiges Reflektieren des Lichts in die den Fenstern abgewandten Teile des Raums zu gewährleisten, sollten die Oberflächen der Arbeitsmöbel möglichst in einem hellen, matten Farbton gehalten sein. Zum besseren Verständnis: Einzelne, spot-artige Lichtquellen sorgen für ungleichmäßige Lichtverhältnisse – kommen sie dazu von hinten oder von vorn, spiegeln sie sich im Monitor und sorgen für Reflexe, denen der Arbeitende ständig ausweichen muss. Daraus ergeben sich Haltungsschäden und Verspannungen – letztlich leidet die Arbeit darunter. Es empfehlen sich LED-Lampen in der Lichtfarbe „Tageslicht“, die es mittlerweile bei großen Möbelhäusern für unter 5 Euro gibt. Zusätzlich empfehlenswert: Stationäre Tageslichtlampen mit genügend Power am Schreibtisch, um bei zwielichtigen Verhältnissen direktes Arbeitslicht zur Verfügung zu haben.

Tipps und Tricks

Bleibt die Frage nach dem elendigen Kabelsalat: Druckerkabel, Ethernetkabel, womöglich Scanner, Ladestationen und Telefon – alle Geräte des täglichen Arbeitsbedarfs haben die Unart, an der Strippe zu hängen.Ihre Kordeln pflegen sich in dicken Knoten unterm Schreibtisch zu sammeln und die Füße schleichend zu umschlingen. Wer vor derartigen heimtückischen Fesselungsattacken gefeit sein möchte, dem sei ein Kabelschacht-System empfohlen. Das kann ins Möbel integriert sein, lässt sich aber auch nach Bauplänen aus dem Internet aus einer Schuhschachtel selbst bauen. Als Alternative haben sich Schläuche bewährt, die normalerweise als Kabelkanäle unter Putz verlegt werden. Sie sind günstig, als Meterware im Baumarkt erhältlich und stehen „professionellen“ Kabelsammlern in nichts nach. Um USB-Kabel auseinanderzuhalten, haben sich auch banale Wäscheklammern bewährt, die das Kabel an der Tischkante festhalten. Paper-Clips gehen auch und sehen überdies stylish aus.

Ordnung ist auch am heimischen Arbeitsplatz das halbe Leben – je kleiner dieser ausfällt, umso lebensnotwendiger ist sie für konzentriertes Vorankommen. Bevor viele kleine Häufchen die Zettelsuche zum Graus machen, lieber ein paar Quadratmeter Wandfläche für eine Pinnwand opfern, wo der ganze Wust ordentlich mit Nadeln, Magneten oder Klebestreifen befestigt werden kann. Das schafft nicht nur Ordnung, sondern auch schnellen Überblick. Papiere zu abgeschlossenen Projekten lassen sich dann gut in Pappschachteln aufbewahren, zu einem kleidsamen Schachtelturm stapeln – und regelmäßig aussortieren.

Zu guter Letzt darf natürlich auch die persönliche Note nicht zu kurz kommen, so sie sich noch nicht in der Wahl der Arbeitsmöbel und Materialien niedergeschlagen hat. Ein paar Pinselstriche der Lieblingsfarbe an der Wand machen das Arbeitseck zum freundlichen Fleck, der noch dazu optisch zur Arbeitsinsel geworden ist. Der alte Bilderrahmen mit einem Urlaubsbild oder dem Lieblingsplattencover auf dem Schreibtisch verleiht dem Arbeitsplatz eine weitere persönliche Note – und frische Blumen oder eine Topfpflanze tut das Ihre, den Arbeitsplatz stilistisch der restlichen Wohnung anzugleichen. Jedoch gilt im Home Office wie im Großraumbüro: weniger ist mehr.