Nach dem Tag der Liebenden, dem Valentinstag, und allerlei Tagen des Blödsinns, dem Fasching, gibt es im März einen Tag, der mindestens genau so viele Menschen interessiert. Der Tag der Rückengesundheit! Wenn auch aus einem völlig anderen Grund. Glaubt man aktuellen Studien, sind Rückenschmerzen die neue deutsche Volkskrankheit. Entsprechend dürfte der Tag der Rückengesundheit am 15. März 2017 auf großes Interesse stoßen. Ausgerichtet wird er wie jedes Jahr von der „Aktion Gesunder Rücken” (AGR) und dem „Bundesverband deutscher Rückenschulen” (BdR). Dieses Jahr im Fokus: Die Balance – in doppeltem Sinn.

Spitzenreiter: Rücken

Der Spitzenreiter ist ein alter Bekannter: der Rücken. Am meisten Fehlzeiten am Arbeitsplatz gehen auf das Konto von Muskel-Skelett-Erkrankungen, der höchste Anteil davon entfällt laut dem TK-Gesundheitsreport 2016 auf Probleme mit dem Kreuz. Berichte wie diesen gibt es viele und fuchst man sich ein bisschen in die Materie hinein, kann man auch als Laie zu der Erkenntnis kommen, dass Rückenerkrankungen in den vergangenen fünf Jahren gewaltig an Bedeutung gewonnen haben. Da die Lektüre umfangreich und vielfältig ist, zahlreiche Universitäts-Studien und Krankenkassen-Reporte sich mit dem Thema auf verschiedene Art und Weise beschäftigen, verbietet sich ein konkreter Vergleich. Das Bild, das sich zeichnet, ist allerdings ein durchaus klares: Rückenschmerzen sind nach wie vor die Deutsche Volkskrankheit schlechthin, dicht gefolgt von psychischen Problemen.
Es ist nicht schwer, einen Zusammenhang zwischen Platz eins und zwei zu vermuten – und nicht viel schwieriger, dafür konkrete Anhaltspunkte zu .nden. Die „Aktion Gesunder Rücken” gibt zum Beispiel einen sehr deutlichen Fingerzeig in diese Richtung und setzt ihren diesjährigen Aktionstag unter das Motto: „Balance .nden – Rücken stärken”. Dem Leitspruch zugrunde liegt die Erkenntnis, dass bei Rückenbeschwerden zu 90 Prozent keine ernsthaften Erkrankungen zugrunde liegen, sondern aus verschiedenen psychischen oder physischen Problemen resultieren. In nicht wenigen Fällen spielen diese Probleme zusammen.

Ansichtssache: Das Modell „Rückengesundheit”

Nach Beschreibung der AGR sind Rückenschmerzen das Ergebnis eines körperlichen oder seelischen Ungleichgewichts – oder dem Zusammenspiel von mehreren Ungleichgewichten. Bildlich ausgedrückt, kann man sich Rückengesundheit als eine große Wippe vorstellen, auf der sich wiederum zwei kleine Wippen be.nden. Die linke kleine Wippe stellt den Körper dar, der um den Ausgleich von Belastung und Erholung ringt, während auf der anderen Seite die Psyche das selbe tut. Erst wenn die beiden kleinen Wippen im Gleichgewicht sind, ist auch die große Wippe, auf der sie stehen, ausgeglichen – und die Rückengesundheit im Lot.
Analog bedeutet das, dass körperliches Ungleichgewicht – eventuell ausgelöst durch zu viel Sitzen auf dem Bürostuhl und dabei zu wenig ausgleichende Bewegung nach Feierabend – den Rücken genauso krank machen kann wie ein seelisches Ungleichgewicht. Das Ungleichgewicht von zu viel Sitzen und kaum Stress kann demnach genauso zu einer Schie.age im System führen wie zu viel Stress bei normaler körperlicher Belastung durch eine ausdauernde Sitzhaltung mit genügend Ausgleich.
„Sowohl zu starke Belastung als auch zu wenig Bewegung und Ruhe sind Gift für den Rücken”, heißt es dazu in einer aktuellen Pressemitteilung der AGR. „Betroffene sollten ihren Alltag einmal selbst re.ektieren. Oftmals wird einem dann bewusst, woher die Schmerzen kommen könnten.” Ein ausgewogenes Maß an Bewegung sei von großer Bedeutung. Personen in Sitzberufen wird folglich empfohlen, mindestens zehntausend Schritte am Tag zu gehen: „Viele kommen nicht einmal auf die Hälfte”, so die Erfahrung der Rücken-Experten. Eine weitere Ursache für Rückenschmerzen können „muskuläre Dysbalancen” sein. „Um eine Bewegung auszuführen, verkürzt sich ein Muskel und sein Gegenspieler dehnt sich. Ist nun ein Muskel dauerhaft verkürzt, beispielsweise durch Bewegungsmangel oder Fehlhaltungen, führt das zu Schmerzen.” Durch täglich stundenlanges monotones Sitzen verkümmere die Rückenmuskulatur und durch die Sitzposition die Bauch-beziehungsweise Beinmuskulatur.

Die Quintessenz: Bei Rückenschmerzen kommt meist mehr zusammen. Dabei wiegen offensichtliche Faktoren, wie etwa körperliche De.zite, ebenso schwer wie weniger augenfällige, nämlich psychische. Diese Botschaft erscheint vor allem im Licht der vorherrschenden Meinung, dass psychische Belastung durch Dauerstress, Mobbing oder Schicksalsschläge allenfalls eine Frage des Charakters sind, als die wichtigere. Die Folgerung muss also sein: Die Psyche ist hinsichtlich der Rückengesundheit mindestens genau so wichtig wie die Physis. Die Lösung: Einerseits Stress aktiv vermeiden und andererseits durch bewusste Aktivitäten ein Gegengewicht schaffen zur täglichen Bewegungslosigkeit.

Weniger Stress, mehr Bewegung

Während das Thema „Stress” individuell angegangen werden muss (-> Link: Stress-Serie), ist die Sache mit der körperlichen Prophylaxe etwas einfacher: Es hilft, das Thema „Bewegung” im täglichen Kalenderwahnsinn zum Fixtermin zu machen und lieber regelmäßig als allzu sportlich dem Körper zu Ausgleich zu verhelfen. Die „Aktion Gesunder Rücken” hilft übrigens gleich selber weiter. Auf der Homepage www.agr­coach.de gibt der Verein zum Tag der Rückengesundheit Interessierten die Möglichkeit, kostenlos und von zu Hause aus an ein vom Pro. konzipiertes Rückentraining zu kommen. Wer sich im März 2017 kostenlos auf der Homepage registriere, erhalte neben umfassenden Trainingsvideos und Ernährungsplänen das „5 Minuten Rückentraining” ebenfalls kostenlos dazu, verspricht der Verein. Die Videos sind dem gleichnamigen Buch von Gesundheitstrainer Manuel Eckardt entnommen.
Ganz ohne Anmeldung oder Internet lässt sich mit einer Faustregel im Hinterkopf viel für den Körper tun. Die vom Verein „Aktion Gesunder Rücken“ bereits angeschnittene „Zehntausend-Schritte-Regel“ de.niert ein tägliches Bewegungsziel. Ihren Ursprung hat sie aller Wahrscheinlichkeit nach in einem Büro japanischer Werbefachleute, die in den Sechzigern einen Schrittzähler vermarkten sollten. Die Zahl 10.000 sollte ein schmackhaftes Ziel suggerieren – dabei ist die Zahl weder das Ergebnis einer klinischen Untersuchung oder von Erfahrungswerten. Dennoch wird kein Mediziner bestreiten, dass regelmäßige Bewegung einen positiven Effekt auf den Körper hat – und zehntausend Schritte am Tag zu gehen ist in der Tat ein lockendes Ziel. Manch’ ein Experte beschwört die positiven Effekte täglicher Bewegung hinsichtlich der Vorbeugung chronischer Krankheiten, des Herz-Kreislauf-System und des Bewegungsapparates – aber auch ohne Experte leuchtet ein, dass tägliche Bewegung gesund ist. Nicht nur für den Rücken.