Advent statt Albtraum: Weihnachtliches Wissen ums Wichteln

„Alle Jahre wieder…“, stellt sich die Frage, was zum Mistelzweig aber auch man den Kollegen zum Firmen-Wichteln in den Socken stecken könnte. In Skandinavien „Julklapp“, im Österreichischen „Engerl-Bengerl“ oder auch „Wichteln“ ist ein Brauch, der zur Vorweihnachtszeit vor allem Büros flächendeckend heimsucht. Eigentlich ja eine gute Idee: Wenn alle von allen beschenkt werden, kommen sich näher stehende Kollegen nicht in die Bredouille, sozusagen heimlich an den Kollegen vorbeischenken zu müssen. Eine nachvollziehbare Logik: Wenn manche was kriegen und manche nicht, gibt das den Nichtbeschenkten ein blödes Gefühl mit unter den heimischen Weihnachtsbaum.Wäre da nur nicht das Problem mit dem Auslosen! Wer beim Firmenwichteln einen Kollegen zieht, dessen Vorlieben unbekannt sind, der kann sich entweder in ein Alibigeschenk flüchten (vgl. Badesalz, Teemischung oder Kerzenständer – den international anerkannten Bankrotterklärungen unter den Wichtelgeschenken) oder schlichtweg verzweifeln. Eine Tücke, die eigentlich nur im Arbeitsleben lauert. Denn anders als im Sportverein, wo nach gewonnenem Match schon mal gemeinsam zur Siegesfeier ausgerückt wird und zum Beispiel der bis dato nicht näher bekannten Team-Kameradin mal das ein oder andere Private entfleucht, gibt es vor allem in großen Firmen oder Abteilungen Kollegen, die man jeden Tag sieht – ohne sie wirklich zu sehen.

 

Auch beim Wichteln gibt’s Tabus

Eine andere Tücke sind witzig gemeinte Geschenke. Sie bilden das größte, eindeutigste, rotumrandetste und niemals zu übertretende Tabu im weiten Wichtel-Kosmos. Denn witzig gemeint kann fürchterlich daneben gehen, wenn ein wesentliches, weil privates Puzzlestück im Gesamtbild des Kollegen fehlt. Ein paar Beispiele: Ein Flachmann für den (eigentlich) anonymen Alkoholiker, ein Sexspielzeug für die Praktikantin oder eine Gratis-Mitgliedschaft in der Partnerbörse für den frisch Geschiedenen. Gerade zu Weihnachten sind im Bezug auf Gefühle eher die Samthandschuhe gefragt. Grundsätzlich haben Alkohol, Sexistisches oder allzu Privates nichts in Wichteltüten verloren. Auch keine Hygieneartikel oder Ordnungshilfen – sowas kann schnell im falschen Hals landen. Geschenke, die das vereinbarte Limit (meist 5 oder 10 Euro) weit überschreiten, sind gänzlich daneben.

 

Spitzohrige Wichtel schenken besser

Was also tun? Nach der Auslosung bleiben also gerade mal ein paar Tage oder günstigstenfalls Wochen Zeit, mehr über den zu Bewichtelnden herauszufinden. Jetzt in Gedankenmuster aus den Fünfzigern zu verfallen, wäre Wahnsinn. Nur, weil die Kollegin aus der Buchhaltung eine Frau ist, heißt das nicht, sie würde sich über Küchenutensilien freuen. Nur, weil der Kollege aus der Technik ein solcher ist, braucht er sicherlich keinen bunt leuchtenden Schraubenzieher.

Kreativität ist gefragt – und ein paar James-Bond-Eigenschaften. Zum Beispiel schadet es sicherlich nicht, dem zu Beschenkenden ein paar Tage lang mehr Aufmerksamkeit zu schenken als sonst. Aha!, erzählt er am Kaffeeautomaten doch glatt, dass er die Büroplörre so gar nicht mag und daheim eine originale Markenkaffeemaschine aus den Sechzigern stehen hat. Ein Kaffeegourmet! Damit lässt sich mindestens genau so viel anfangen wie mit der beiläufig fallengelassenen Bemerkung der Schreibtischnachbarin, dass die Kollegin am nächsten Tag eine Stunde früher Feierabend macht, weil sie zum David-Garrett-Konzert gehen möchte.

 

Es ist der Gedanke, der zählt

Je persönlicher das kleine Geschenk wird, desto besser – denn Geschenke bedeuten Wertschätzung. Und eine Duftteepackung (wahlweise Badesalz oder Kerzenständer) sagt unter Umständen etwas aus, das keiner hören möchte. Manchmal ist es der kleine Extragedanken, der ein kleines Geschenk zu einem echten Büroklimaverbesserer werden lässt. Etwa dann, wenn sich ein Kollege ohnehin nicht besonders wertgeschätzt fühlt und ein ziemlich persönliches und gut ausgewähltes Geschenk bekommt. Wobei wir beim Thema wären: Selbstgemachtes, und sei es eine Dose Plätzchen, ein Kuchen oder ein Fotobuch über eine der Leidenschaften des Kollegen, sind allemal besser als lieblos Gekauftes.

Ohren spitzen und Augen offenhalten schadet also nicht, schon gar nicht als Wichtel. Und für alle, die auf diese Art und Weise keine neuen Informationen zutage fördern konnten, hier eine Liste mit Ideen – nach Preisen geordnet.

    Geschenke bis 5 Euro

  • Handyschalen (das Modell des Kollegen oder der Kollegin dürfte rauszufinden sein)
  • Mütze (selbstgestrickt)
  • App (je nachdem in Apples App-Store oder im Google-Play-Store)
  • Aktueller Modeschmuck (für Sie, H&M, in Kassennähe)
  • Multifunktionstool (für Ihn, Baumarkt, in Kassennähe)
  • Handwärmer (für Verforene)
  • Wärmeflasche mit winterlichem Motiv auf dem Überzug (für Verforene)
  • Handy- oder Tablet-Pulli (für Handys oder Tablets von Verfrorenen)
  • Eiswürfelform (Kunststoff, gibt’s von Darth-Vader- bis Herz-Form)
  • Weihnachtsstern (Topfpflanze)
  • LED-Taschenlampe (für die Handtasche)
  • Custom-Müsli (diverse Online-Anbieter mischen die Wunschmischung)
  • Adventskalender (selbstgebastelt)
  • Christbaumkugeln (Deko-Markt)
  • Teelichttüten (mit Weihnachtsmotiv?)
  • Klassiker der Weltliteratur oder Gedichtband (Reclam-Ausgabe)
  • iTunes-, Amazon-, Buchgeschäft-, Google-Play-Gutschein

 

    Geschenke bis 10 Euro

  • Oldschool-Telefonhörer fürs Handy (alle Typen)
  • USB-Adapter für den Zigarettenanzünder im Auto
  • Retro-Metall-Brotzeitdose
  • Pflanz-Set-Dose (breite Auswahl vom Balkonblümchen bis zum Baum)
  • Drahtloses Handy-Aufladegerät
  • USB-Tassenwärmer
  • USB-Ventilator
  • USB-Leuchte
  • USB-Stick
  • Lichterkette (Sterne, Herzen, Kugeln, Schneemänner – alles kann leuchten)
  • Mütze (gekauft)
  • Holz- oder Bambus-Schale fürs Handy
  • Teebeutel-Sortierkasten (für Teetrinker)
  • Kaffee-Dose oder Kaffeekapselhalter (für Kaffeetrinker)
  • Kerzenhalter-Korken für die (Wein-)Flasche
  • Klassiker der Weltliteratur, Neuheit oder Gedichtband (Softcover-Ausgabe)
  • iTunes-, Amazon-, Buchgeschäft-, Google-Play-Gutschein
  • Star-Trek-Pizzaschneider (für Nerds)
  • Potato-Chip-Maker (für kochende Männer)
  • The Rat Pack: „Christmas With The Rat Pack“, CD (Songs, die jeder mag)
  • Frank Sinatra: „The Christmas Album“, CD (Songs, die auch jeder mag)
  • Charles Dickens „Eine Weihnachtsgeschichte“, Buch (Klassiker)
  • Baum pflanzen: „Plant For The Planet“ (eine unterstützenswerte Kampagne)
  • „Pocket-Christmas“ (Dose mit Christbaum und Kerzen, für Feiertagsdiensthabende)

 

Übrigens!

Seinen Ursprung hat das Wichteln in Skandinavien. In seiner Urform wurde dem zu Beschenkenden die kleine Gabe heimlich zugesteckt, so, als hätte sie die nordische Sagengestalt selbst versteckt. Mit der Ausweitung haben sich verschiedene Spielarten des Wichtelns entwickelt: unter anderem das Schrottwichteln, wo nicht mehr benötigte Gegenstände per Würfeln verspielt werden; das Themenwichteln, bei dem ein Motto für die Geschenke festgelegt wird – oder das Fieswichteln, wo möglichst geschmacklose Gegenstände ausgetauscht werden.

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