Kabelsalat – Tipps und Tricks fürs Büro und Zuhause

 

Das Problem ist so alt wie es elektrische Geräte gibt: Die funktionsfreudigen Helferlein verfügen alle über eine Kordel, durch die sie Strom beziehen – und nur selten ist eine Steckdose in unmittelbarer Nähe. Entsprechend führen wahre Kabelschlangen, oft durch Verlängerungskabel mit Mehrfachsteckdosen auf Distanz gebracht, durch alle möglichen Zimmer des Hauses. Das Ergebnis wird umgangssprachlich oft ‚Kabelsalat‘ genannt.

  1. Wäscheklammer, Dachrinne & Klorolle
  2. Kabelbinder und Kabelschläuche
  3. Kabelboxen
  4. Kabelkanäle
  5. Kabelwand
  6. Kabelschalen

Das ist einmal hässlich, wobei sich im Haushalt noch viele Kabel für Festinstalliertes wie Fernseher, Playstation oder Stehlampe hinter Schränken, unter Leisten oder unter Teppiche legen lassen. Für seltener Gebrauchtes wie Staubsauger oder Bügeleisen hat sich die Industrie bereits pfiffige Kabelverstauungen einfallen lassen. Was das Büro anbelangt, ist das „Thema“ Kabelsalat jedoch ein Dauerbrenner. Es braucht nur einmal ein Gerät ausgetauscht oder umgestellt werden müssen und schon wird ausgelost, welcher Praktikant sich in das wollmausumlagerte, pelzig eingestaubte Kabelgewirr unter die Schreibtische werfen darf, um, dem Kampf mit einer Kobra gleich, dem Wust verschlungener Schlingen die auszusortierende Strippe zu entreissen.

Dem oft gefassten Vorsatz, mit dem ganzen Gewirr bei nächster Gelegenheit einmal aufzuräumen, folgen erfahrungsgemäß kaum Taten – die vielzitierte Weisheit „Aus den Augen, aus dem Sinn“ trifft es wie immer genau. Wobei: Falls es möglich ist, das Problem aus den Augen zu verlieren, ist das schon der halbe Weg zu einer Lösung. Denn so lange Kabel nicht im Sichtfeld liegen, ist es auch schwieriger, darüber zu stolpern. Denn hier liegt die größte Gefahr bei diesem ansonsten nur ärgerlichen Thema: Das Stolper-Potenzial. Ein ungünstig vom Schreibtisch hängendes oder im Fußraum herumliegendes Kabel kann den Mitarbeiter beim Aufstehen buchstäblich vom Hocker reissen. Und eine schlampig verlegte Verlängerung den vergeistigten Kollegen, der im Gehen ein Papier studiert, zu Fall bringen.

So oder so: Wohl dem, der einen ordentlichen Arbeitsplatz vorfindet. Mit ein paar einfachen Tipps und Kniffs lässt sich schon mal eine gewisse Grundordnung etablieren – die nicht mal viel kosten muss. Natürlich bieten auch zahlreiche Firmen durchaus durchdachte Lösungen zur Kabelführung an; und einen Blick aufs örtliche Baumarktsortiment sollte sowieso jeder werfen, der ein Büro einrichtet.

Aber auch der vollverkabelte Schreibtisch daheim, im Büro oder in der Bürogemeinschaft kann mit ein paar Kniffen auf Linie gebracht werden.

  1. Wäscheklammer, Dachrinne & Klorolle

Nachdem sich am Arbeitsplatz außer Netzkabel noch eine Menge anderer Kabelgattungen in freier Wildbahn beobachten lassen, sei dieser Ort der erste, der begutachtet sein soll. Nicht selten bleibt es hier nämlich nicht bei Netzkabeln, die von Monitor, PC, gegebenenfalls Drucker und Scanner hinter dem Tisch hinabhängen. Auch auf dem Schreibtisch kommt es durch externe Festplatten, Kameras, Tablets, Smartphones und andere stromhungrige Gadgets zu USB-, Firewire oder Thunderboltkabel-Gewirr infernalischen Ausmaßes.

Der erste Schritt in Richtung Ordnung lautet wie immer: ausmisten. Ruhig mal rigoros das ganze Debakel auf Herz und Nieren prüfen – und wenn bloß die lang nicht mehr benutzte Druckerverbindung dabei rausfliegt: jedes Kabel weniger hilft. Zweitens: Was nicht unbedingt auf dem Schreibtisch gebraucht wird, sollte in einer Schublade verschwinden. Damit sich dort keine gordischen Kabelknoten bilden, empfiehlt es sich, entweder einen materialschonenden Weg zu finden, um die Kabel aufzurollen – ähnlich dem Vorbild eines Kletterseils. Aber Vorsicht: dabei nie das Kabel „zwirbeln“, sondern der natürlichen Bewegung des Gewebes oder Verbundstoffs folgen, sonst können die leitenden Fasern in seinem Inneren beschädigt oder gar ganz abgedreht werden.

Eine pfiffige und günstige Lösung zur Kabelordnung lässt sich durch Recycling finden: das Karton-Röhrchen, das am Ende einer jeden Klorolle im Abroller hängt, hat gewaltiges Ordnungspotential. Hochkant mehrere Klorollen in die Schublade gestellt, halten sie nicht benötigte Kabel voneinander fern und verschaffen einen schnellen Überblick übers Sortiment. Auf der Tischplatte lässt sich mit einem anderen Artikel aus der Haushaltsabteilung für Ordnung sorgen: der Wäscheklammer. Jedes sauber aufgerollte Smartphone-Ladekabel behält nur widerwillig seine gezwungene Form – deswegen kann eine Wäscheklammer dem ordentlichen Äußeren auf die Sprünge helfen. Eine andere Einsatzmöglichkeit: Das abgerollte Kabel durch das kleine, eigentlich für die Wäscheleine gedachte, Loch führen und an die Tischkante klemmen. So hängen die Kabel, fein säuberlich aufgereiht, wie ein Fliegenvorhang von der Tischplatte und sind sofort greifbar. Eine dritte Möglichkeit, ähnlich günstig und meterweise im Baumarkt zu bekommen: Regenrinnen, Dachrinnen, oder halbierte Abflussrohre, auf der Rückseite der Schreibtischplatte befestigen; sie beherbergen Kabel ebenfalls sicher und weit über dem Boden.

  1. Kabelbinder und Kabelschläuche

Steht ein Schreibtisch frei im Raum und nicht an der Wand, können herunterhängende Netzkabel zum Problem werden. Die einfachste Möglichkeit ist sicherlich, sie mit Kabelbindern zusammenzufangen und somit ein dickes Kabelbündel vom Schreibtisch zur Mehrfachsteckdosenleiste führen. Möglicherweise lässt sich auch hinter Computermonitor oder Drucker eine solche Mehrfachstromversorgung, idealerweise mit An- und Aus-Schalter, auf den Tisch stellen und befestigen. So führt von Haus aus nur ein Netzkabel zur Steckdose. Eine Variante zu Kabelbindern ist übrigens ein Kabelschlauch. Optisch einem Staubsaugerschlauch gar nicht unähnlich, aber mit einem seitlich laufenden Schlitz versehen, kann er je nach Durchmesser mehr oder weniger Kabel aufnehmen. Eine etwas kostenintensivere Lösung ist eine professionelle, im Fachhandel erhältliche Kabelspirale, die dem ganzen Gebilde zusätzlich Stabilität verleiht.

  1. Kabelboxen

Ungleich eleganter wirken da schon die neuartigen Kabelboxen von namhaften Gestaltern, denen recht unstylishe Kabelknäuel in ihren Design-Ateliers wohl schon lange ein Dorn im Auge sind. Anders lässt sich nicht erklären, dass mittlerweile eine variantenreiche Vielfalt an Kabelboxen, Kabeltruhen, Kabeldosen und sogar Kabeltonnen erhältlich ist. Die Preise bewegen sich zwischen 5 und 500 Euro, je nachdem, wie viel Design es sein darf. Das Prinzip ist immer das selbe: Durch einen Schlitz oder ein Loch auf einer Seite der Box werden alle Netzkabel ins Innere geführt und dort in ein oder mehreren Mehrfachsteckdosenleisten zusammengesteckt. Auf der anderen Seite kommt dann ein Hauptnetzkabel heraus, das die ganze Büroelektrik mit Strom versorgt. Eine Kabelbox ist übrigens mit wenig handwerklichen Geschick schnell selbst gebastelt; aus einem Schuhkarton oder einer Holzschachtel zum Beispiel. Bei diesen Lösungen ist allerdings auf eine Sache zu achten: Je nach Zustand der Elektroinstallation im Haus kann es schon mal sein, dass eine Sicherung fliegt, wenn zu viel Last an einer Steckdose hängt. Je nachdem, wie viele Stromsauger im Büro stehen: Eventuell daran denken, dass eine Aufteilung auf zwei, unabhängig voneinander gesicherte Steckdosen durchaus Sinn hat.

  1. Kabelkanäle

Selbst wenn nur noch ein Stromkabel oder ein gebündelter Strang vom Schreibtisch auf den Boden führt: Oft ist justament dort, wo eine Steckdose gebraucht wird, keine in der Wand. Es bleibt also nichts anderes übrig, wieder ein Kabel zu legen. Das Problem kennt bestimmt auch, wer ein Surround-System oder eine Hifi-Anlage mit zwei Satellitenboxen und einem Subwoofer zuhause hat: Ewig lange Kabelstrecken laufen in solchen Zimmern am Fußboden entlang der Zimmerwände. „Kabelkanal“ lautet die Lösung. Da wäre zum einen der klassisch weiße, der mehrere Kabel in einer Art Schiene, unter einem Plastikdeckel versteckt, an der Wand entlangführt. Die Beurteilung, ob eine weiße Plastikverschalung an der Wand jetzt kleidsamer ist als einzelne Kabel, sei jedem selber überlassen. Wesentlich schöner ist da schon ein Kabelkanal, der einen zweiten Nutzen hat – nämlich den einer Teppichleiste. Derartige Modelle gibt es in einer breiten Auswahl in den gängigen Baumärkten und mit ein bisschen Glück passen sie in die vorhandene Leisten-Aufhängung. Dahinter laufen die Kabel dann in sauberen Bahnen von A nach B – in manchen Häusern, vor allem Altbauten, existieren über dem Parkett auch opulente Wandleisten, die meistens hohl sind; auch sie können als Kabelkanal genutzt werden. Auch auf dem Schreibtisch könnte, je nach Modell, der Einbau eines herkömmlichen Kabelkanals für Ordnung sorgen: Es gibt sogar spezielle Modelle mit Gummilippen, an denen Kabel beliebig hinein- und hinausgeführt werden können.

  1. Kabelwand

Kreative Zeitgenossen sehen das Problem vom Kabelsalat gern als Chance, die eigenen vier Wände zu verschönern. Ihnen sei die Möglichkeit einer ganzen Kabelwand ans Herz gelegt. Wer es schafft, sämtliche Kabel an einer Zimmerseite entlangzuführen, kann sie mit einer aufgeschraubten Kabelwand verstecken. Holz, MDF, Aluminium oder Plexiglas eignen sich dafür besonders; die zweite Wand wird mit ein paar Zentimeter Abstand vor die echte Wand geschraubt – und alle Kabel sind verschwunden. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: Von einer schlicht weißen Strukturfarbe bis zu LED-Leuchtstreifen auf der Rückseite als indirekte Lichtquelle im Raum kann eine abgesetzte Wand vom dezenten Helferlein bis zum dekorativen Hingucker alles werden.

  1. Kabelschalen

Zum Schluss noch ein Tipp für Leute, die in Häusern mit hoch angebrachten Steckdosen leben. Ihnen bleibt oft nichts anderes übrig, als ihr Mobiltelefon, ihr Tablet oder ihren MP3-Player am Netzkabel hängend aufzuladen. Das geht auf Dauer gewaltig aufs Material, schließlich werden die Kontaktstellen zwischen Kabel und Stecker dauerhaft überdehnt und geknickt. Abhilfe schaffen hier im Fachhandel erhältliche Ladeschalen, die das Netzteil selbst als Haken benutzen. Das Gerät liegt dann wie in einer Hängematte aus Plastik oder Holz am Haken – eine Apparatur, die man auch mit einem kleinen Korb, einer Kartonkonstruktion oder einem Papp-Eisbecher nachbauen kann.

Über allem steht natürlich der Sicherheitsgedanke: Geräte, die während des Ladevorgangs sehr heiß werden, gehören nicht in einen Karton oder in eine geschlossene Plastikschachtel. Und Kabel, die offen durchs Zimmer geführt werden, sollten farblich möglichst abgesetzt zum Boden gestaltet sein; viele Hersteller bieten bunte Steckdosenleisten, beispielsweise in Signalrot, an. Für Wohnungen oder Büros, zu denen Tiere (vor allem Nagetiere) Zugang haben, gilt generell: Keine offen herumliegenden Stromkabel.

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