Bei schlechten Lichtverhältnissen zu arbeiten kann unruhig machen. Dieser Artikel umreißt ein Thema, das an vielen Arbeitsplätzen unterschätzt wird: Die angemessene Beleuchtung. Während es heutzutage in modern eingerichteten Büros selbstverständlich ist, dass die Mitarbeiter vor hochauflösenden Monitoren sitzen, über ergonomisch einstellbare Tische und Stühle zu verfügen und einen geeigneten Rahmen für die kleinen Pausen vorfinden, wird beim Thema „Beleuchtung“ oft und gern gespart. Ganz nach dem Motto: die Displays leuchten hell genug.

Bei Arbeitgebern sichern rechtliche Vorgaben zumindest die nötigen Grundvoraussetzungen, die sie gegenüber ihren Angestellten diesbezüglich erfüllen müssen, bei Selbstständigen herrschen dagegen oft noch recht obskure Verhältnisse. Auch Homeoffice-Arbeiter (siehe dazu auch den Beitrag Homeoffice: Zu Hause im Büro statt im Büro zuhause) laufen sozusagen reihenweise sehenden Auges in ein Problem, das mit ein paar logischen Gedanken und Handgriffen vermeidbar wäre: Sie überanstrengen bei funzeligem Licht ihre Augen, haben mit Haltungsschäden zu kämpfen, weil sie praktisch acht Stunden am Tag Lichtreflexen ausweichen – oder neigen zur Unruhe, weil sie die für Wohnräume übliche gemütlich warme Lichttemperatur auch an ihrem Arbeitsplatz einsetzen.

Die weiteren Folgen sind rasche Ermüdung, Unproduktivität und Augenbeschwerden, langfristig drohen sogar Sehschwäche oder auch Depressionen. Dazu muss man wissen, dass vor allem die Arbeit am Computer die Augen vor eine große Belastung stellt. Zum einen müssen sie über einen langen Zeitraum eine feste Fläche in geringer Entfernung fixieren, sich dauerhaft anspannen und außerdem dabei den Unterschied von Bildschirm- und Umgebungshelligkeit ausgleichen. Während die körperlichen Schäden noch jedermann einleuchten, braucht es für den seelischen Aspekt ein kleines Beispiel: Manche Menschen neigen mehr, andere weniger dazu, in den Wintermonaten nach und nach trübsinnig zu werden. Die Ursache ist nach gängiger Expertenmeinung, dass auch der menschliche Körper in eine Art Winterschlaf verfällt, um Energie zu sparen. Die Nebenwirkung ist allgemeine Herabgestimmtheit, vulgo: Winterdepression. Dieser Logik folgend, kann es nicht gesund sein, das ganze Jahr über acht oder mehr Stunden täglich im Halbdunkel zu verbringen.

Unter Berücksichtigung der baulichen Gegebenheiten und dem klugen Einsatz der richtigen Leuchtmittel gestaltet es sich aber meist verhältnismäßig einfach, den Arbeitsplatz passend zu beleuchten. Der Aufwand lohnt sich unmittelbar: Wer die Bedingungen beim Arbeiten nicht dauernd optimieren muss, kann optimal arbeiten.

Theoretisch der beste Arbeitsplatz: Der Tisch unter freiem Himmel

Der beleuchtungstechnische Optimal-Arbeitsplatz stünde laut Experten unter freiem Himmel, unter einer langsam vorüberziehenden, lockeren Wolkendecke. Ein Idealfall, den ein neues, noch sehr kostspieliges Lichtkachel-System für Bürodecken nachstellen kann. Dabei wird die Decke sozusagen mit großformatigen LED-Screens behängt, die einerseits Tageslicht simulieren können und andererseits auch Inhalte übertragen können. Funktionales Licht ist damit ebenso möglich wie die Imitation eines leicht bewölkten Sommerhimmels. Nicht nur Büros können damit ideal ausgeleuchtet werden, sondern auch Kliniken – überall da, wo eben Tageslicht benötigt wird. Denn tatsächlich ist die Lichtstärke, zu der diese Systeme fähig sind, beachtlich: 20 000 Lux können sie derzeit leisten, was in etwa mit sommerlichem Tageslicht vergleichbar ist. Wie mit jeder Technik, die von der flächendeckenden Nutzung noch entfernt ist, gilt hier: Noch sind diese Systeme recht teuer für den Endverbraucher. Günstiger ist es da momentan auf jeden Fall noch, mit etwas gesundem Menschenverstand und ein wenig Wissen um Physik und Farblehre die Prinzipien idealer Arbeitsbeleuchtung umsetzen.

Obwohl im Folgenden der Fokus auf Büroarbeit liegen soll, verhält es sich bei Handwerksberufen grundsätzlich nicht viel anders: Der Schneider sollte seine Nähmaschine ebenso in gutes Licht rücken wie der Schreiner seine Hobelbank. Das alles ist selbstverständlich auch per Gesetz geregelt: Die „Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten“ und die „Verordnung über Arbeitsstätten“, einzusehen auf der Homepage des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz www.bmjv.de geben Auskunft.

Vom Kandelaber über die LED zur OLED: Bürobeleuchtung in Zahlen und Werten

So gelten verschiedene Werte für verschiedene Stellen im Büro: Steht ein Arbeitsplatz direkt am Fenster, muss eine Helligkeit von 300 Lux gegeben sein. Je weiter er in Richtung Zimmermitte oder an eine Innenwand rückt, werden 500 bis 1000 Lux verlangt. Hintergrund: Die Beleuchtungsstärke „Lux“ errechnet sich aus dem Quotienten der Lichtstärke einer punktförmigen Lichtquelle in „Candela“ und dem Quadrat der Entfernung in Meter. Ein „Candela“ ist in etwa die Helligkeit, die von einer Kerze ausgeht – in Lux gemessen hätte eine Kerze im Abstand von zwei Metern 0.25 Lux. Es bräuchte also einen ganz schön großen Kerzenleuchter, der eine gesetzeskonforme Beleuchtung in einem Büro ermöglicht.

Viel leichter tun sich Büroarbeiter, wenn sie stattdessen auf die moderne Technik zurückgreifen. Energiesparende LED-Lampen oder Leuchtstoffröhren mit der Lichtfarbe „Neutralweiß“ oder „Tageslichtweiß“ kommen natürlichem Licht am nächsten. Diese Leuchtmittel in Verbindung mit großen Fenstern, die viel natürliches Tageslicht hereinlassen, plus individuell einstellbarer Schreibtischlampe sind die beste Kombination. Ein weiterer Schritt, mit dem Tageslicht in geschlossene Räume gebracht werden soll, ist die OLED, die „organische Leuchtdiode“. Im Gegensatz zu ihrer anorganischen Schwester, der anorganischen Leuchtdiode (LED) kann sie in Dünnschichttechnik hergestellt werden. Jeder Smartphone-, Tablet- oder moderne Flatscreen-Besitzer hat eine solche OED bereits in seinem Besitz: Sie werden Beleuchtung von Bildschirmen eingesetzt. Weil sie nur geringe Wärme entwickeln, kann man sie an sich auch als Leuchtmittel in Baumaterialien integrieren, zum Beispiel in Holz oder Decken-Panele.

Doch nicht nur die Technik, die zur Bürobeleuchtung eingesetzt wird, spielt eine Rolle. Auf die Architektur Rücksicht zu nehmen, hilft ebenso: So sollten Schreibtische mit der kurzen Seite zum Fenster, also „in den Raum hinein“ aufgestellt werden, so dass das Tageslicht von der linken oder rechten Seite auf den Monitor fällt. Über dem Schreibtisch sollte nicht direkt eine Lampe hängen, sondern idealerweise zwei; die eine links, die andere rechts über dem Arbeitenden. Was die Art der Deckenleuchten angeht, sollten sie auf zweifache Art und Weise Licht abgeben: Einerseits direkt nach unten und andererseits per Spiegelreflexion in den Raum hinein. Zur individuellen Beleuchtung dient dann die gute, alte Schreibtischlampe – die idealerweise auch ein LED-Leuchtmittel „unter der Haube“ haben sollte. Zusammengefasst: Es geht um das passende Zusammenspiel aus natürlichem und künstlichem sowie aus direktem und indirektem Licht. Ein Patentrezept gibt es nicht: Das Lichtempfinden ist und bleibt eine persönliche Sache – ältere Mitarbeiter brauchen etwa mehr Licht als junge.

Gutes Licht ist auch eine Frage der Möblierung

Auch die Möblierung und die Büroausstattung können in Beleuchtungsfragen den entscheidenen Punkt ausmachen: Wenn eine Tischoberfläche beispielsweise spiegelt, helfen auch die reflexionsärmsten Monitore oder Deckenleuchten nichts. Und wenn die Wände mit dunklen Farben getüncht sind, kann sich das Tageslicht nicht so gut in den Raum hinein reflektieren wie auf weißer Farbe. Was natürlich nicht heißen muss, dass unsere Büros steril-hell und idealerweise wie Zahnarztpraxen aussehen müssen. Helle Farben und reflexionsarme Oberflächen kann auch ein alter Holztisch vor einer orange abgetönten Wand sein. Oder, wer’s lieber moderner hat, ein angeschliffener Glastisch vor einer hellgrauen Wand. Oder, oder, oder. Wer also an seinem Arbeitsplatz – ob daheim oder im Büro – gut beleuchtet ist, hat den Großteil schon richtig gemacht. Wer das Thema „Beleuchtung“ aber perfektionieren will, sollte auch ein bisschen etwas um die Wirkung von Lichtfarben wissen.

Denn nicht nur für den Umgang mit den Kollegen gelten in Aufenthaltsräumen andere Regeln als in Büro- oder Konferenzräumen. Auch für Licht, denn verschiedenen Lichtfarben haben erwiesenermaßen unterschiedliche Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. Dabei sagt das eigene Gespür schon eine ganze Menge: Niemand würde sich daheim im Wohnzimmer eine Xenon-Leuchte an die Decke nageln, um im kaltblauen Schein sein Wohnzimmer zwar definiert wahrzunehmen, aber den Raum tendenziell lieber fluchtartig verlassen zu wollen.

So wie also im heimischen Lebensraum warme Lichtfarben eingesetzt werden sollten, dürfen auch lichtmäßig im Aufenthaltsraum die Signale dezent auf „gemütlich“ stehen. Im Pausen- oder Kreativraum würde sich etwa eine leicht orange Lichtfarbe anbieten: Orange steht für Optimismus und Lebensfreude und begünstigt kreatives Denken oder Geselligkeit. Blaues Licht steht für Ruhe und fördert die Sprachfähigkeit und klares Denken – also im Büro als Lichttemperatur eine gute Wahl. Und Rot? Rot steht für Liebe, Leidenschaft und Zorn, hat also im Büro allenfalls als Akzent etwas verloren. Als punktuell eingesetzte Lichtfarbe steigert es Vitalität. Wer es aber übertreibt mit dem Rotlicht-Einfluss, der dürfte, wie gesagt, ziemlich unruhig werden.